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GZ-Bericht

Eine Kinderdisco auf 15 Quadratmetern

MTV Brunonia lädt zum zweiten Mal zur virtuellen Party ein – DJ „Airbeck“ und Tochter Charlotte senden live aus ihrem Wohnzimmer

Von Ina Seltmann

Bad Harzburg. Charlotte (4) steht auf der Kiste und winkt in die Kamera. Vater Maximilian Beck wischt sich den Schweiß von der Stirn, bevor der nächste Tanz beginnt: Die zweite Kinderdisco des MTV Brunonia Harlingerode ging am Sonntag über den Äther. Mehr als 100 Zuschauer nahmen an der 50-minütigen virtuellen Party teil.

„Ur-anstrengend, aber macht ultra-viel Spaß“, urteilt DJ Airbeck, während begeisterte Kommentare der Teilnehmer über den Bildschirm flitzen. Charlotte gehört zur Tanzgruppe, die sich allwöchentlich zum Training beim MTV trifft. Normalerweise. Aber weil im Moment nichts normal ist, kam Übungsleiterin Melanie Jacobs auf die Idee, die Kids auf anderem Wege zu erreichen.

Dabei half ihr Maxi Beck, alias DJ Airbeck. Der Discjockey legt auf dem virtuellen Videoportal „Twitch“ auf und ist dort auf seinem Kanal dreimal die Woche „on air“ (www.twitch.tv/djairbeck). „Twitch“ ist kostenlos, jeder kann einschalten und zugucken. Für Beck war es gestern schon die vierte Kinderdisco. Der Vater von zwei Kindern hatte im April vergangenen Jahres begonnen, seine Musik auf „Twitch“ zu streamen – also im Netz zu übertragen. Weil die ganze Kultur- und Musikszene lahmliegt, hatte er nach Möglichkeiten gesucht, trotzdem Platten aufzulegen und die Menschen zu erreichen. Und eben auch die Kinder.

Licht und Laser

Dazu baute er in seinem 15-Quadratmeter-Wohnzimmer eine komplette Mini-Disco auf. Lichteffekte, ein Pult, auf denen sich die Scheiben drehen, Nebelmaschine und Laser inklusive. Drei Kameras übertragen aus verschiedenen Blickwinkeln, was in Göttingerode am Plattenteller passiert. Ehefrau Sarah hat sich mittlerweile mit der ungewöhnlichen Situation abgefunden, wie ihr Ehemann im „Homeoffice“ als DJ agiert. Bis in die Morgenstunden geht bei Becks die Post ab, wenn Maxi für die Erwachsenen auflegt. Allerdings dröhnen keine hämmernden Beats durchs Haus: Nur er ist zu hören, wenn er mit seinen Zuschauern erzählt. Der volle Sound landet direkt bei den Menschen zu Hause in der ganzen Welt.

Denn mittlerweile hat der Harzer nicht nur Publikum aus dem Mittelgebirge, seine Viewer kommen aus ganz Europa, den USA und Kanada. Die „Community“ schreibt während seiner Sendung Kommentare, die für alle sichtbar sind. Und Beck wiederum geht darauf ein, klopft lockere Sprüche und erfüllt auch hie und da einen Hörerwunsch.

Wer will, kann seinen Kanal kostenlos abonnieren, wird dann über die Sendezeiten informiert und als Zuhörer gezählt, sodass Beck einen Überblick darüber hat, wie viele Menschen überhaupt dabei sind. Daher weiß MTV-Vorstand Gerhard Marth, dass bei der ersten Kinderdisco im Januar mehr als 100 Kinder dabei waren – wahrscheinlich noch mehr, da einige ohne Abo zuguckten. „Tolle Idee“, sagt er.

Für Melanie Jacobs ist die Disco im Netz genau das richtige Mittel, um die Kinder zu Hause zu erreichen. Denn es sei so bedauerlich gewesen, dass gerade als die Tanzgruppen so gut liefen, der Trainingsbetrieb eingestellt werden musste. Zuletzt waren es vier Gruppen mit rund 50 Kindern. „Das ist das perfekte Angebot, um den Kindern ein bisschen was zu bieten“, sagt sie. Vor allem hofft sie, dass die Mitglieder damit bei der Stange bleiben. Denn es sei schon schwierig, dass sie Beitrag zahlten und derzeit kaum etwas davon hätten. So würden die Mitglieder auch sehen, dass der Verein noch da sei. „Der MTV hat ein gutes Online-Angebot, das wir damit ausweiten.“ Jeder könne trotzdem Sport treiben, und auch das Gemeinschaftsgefühl werde unterstützt. Ihre achtjährige Tochter Fine ist nicht die einzige, die gern dabei ist. Mit DJ Airbeck spricht sie Lieder ab, die die Kinder kennen und nach denen die Gruppen trainieren. Die nächste Kinderdisco ist am 21. Februar.

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